Archiv für den Monat: Januar 2019

15. Januar

Der Tag war eigentlich ganz gut.
Heute gab es sogar Sonne und war auch gar nicht mehr so kalt. Obwohl ich mir schon noch ein bisschen mehr Schnee und richtiges Winterwetter wünsche, fand ich es ganz schön.
Wir waren heute wirklich toll besetzt: genau genommen sind wir uns fast gegenseitig auf die Füsse getreten – und ich hab bestimmt irgendwas vergessen, weil ich davon ausgegangen bin, dass das schon jemand erledigt hat. Vermutlich hat das dann auch jemand getan.
Gestern abend sind wohl auf ein paar Bereichen (so auch auf unserem) die Heizungen ausgefallen. Ich glaube ja nicht, dass es wirklich nötig war, deshalb die Bewohner zusätzlich zuzudecken; vermutlich haben die seit Wochen erstmals richtig gut geschlafen, weil die Zimmer nicht überheizt waren. Aber heute früh war es schwer, sie aus dem Bett zu kriegen…. brrrr.
Dieses Spiel hat Spass gemacht. Unser Team ist so toll! Es war tatsächlich eine Befragung, wir sollten bewerten, wie gut oder eben auch nicht die Werte unserer Firma in der Praxis umgesetzt werden. Wenn es um unser Team ging, um das Miteinander und unsere Arbeitseinstellung, mussten wir oft gar nicht lange nachdenken. Doch, wir gehen respektvoll miteinander um, haben eine ähnliche Arbeitsmoral, lösen Probleme hauptsächlich intern und auf faire Weise. Weil wir fast immer die gleiche sehr positive Bewertung abgaben, fragte der Spielleiter nach einer Weile, ob wir uns vorher abgesprochen hatten. Hatten wir aber nicht. Nach dem Spiel waren wir total aufgedreht – die liebste Chefin von allen kriegte grosse Augen: „Wieso seit ihr denn so glücklich?“ Tja, liebste Chefin, vor allem deinetwegen…
Das Fotografieren war auch nicht so schlimm. Der Fotograf war irgendwie cool, sehr sympathisch. Es war schon lustig, wie sich die meisten aufgebrezelt hatten: noch mal Haare geföhnt, Make up aufgelegt… Tja, die Beseitigung der beginnende Mausräude war mein einziges Zugeständnis diesbezüglich. Meine Haarfarbe ist schliesslich seit mehr als 15 Jahren sozusagen mein Markenzeichen. Und ich benutze eigentlich so gut wie nie Make up. Ich meine, ich besitze zwei oder drei Kajal-Stifte, eine Wimperntusche und zwei Dreierpaletten Lidschatten – und der ganze Kram liegt derzeit immer noch in der Kosmetiktasche, die ich im September in New York dabei hatte. In den letzten vier oder fünf Jahren hat sich das Alter ja nun doch an mich erinnert. Ich sehe zwar angeblich immer noch nicht so alt aus, wie ich halt inzwischen doch schon bin, aber von nur „ersten Fältchen“ kann doch nicht mehr die Rede sein. Manchmal bin ich schon ziemlich zerknautscht… Trotzdem finde ich, dass ich jetzt eigentlich besser aussehe als noch vor zwei Jahren. Nein, nicht besser – zufriedener. Ich mag mich auch viel mehr.
Natürlich versuchte auch dieser Fotograf, mich zum Lachen zu bringen. Aber: auf gestellten Fotos lache ich nie. Immerhin glaube ich, dass ich zumindest ein richtiges Lächeln hingekriegt habe. Ob die Fotos was geworden sind, das wird sich erst zeigen. Ich bin nicht sonderlich fotogen. Auf den meisten Pflichtfotos habe ich mehr Ähnlichkeit mit etwas, das nachts aus dem Wald auf die Strasse gesprungen ist und entsetzt in heranrasende Scheinwerfer starrt. Naja. Ist aber auch egal, ist ja nur fürs Haus.
Apropos Scheinwerfer: Heute morgen bin ich so vor mich hin spaziert, Musik in den Ohren, tralala… es hat geschneit, es war noch ganz dunkel, ich fand’s super. Und ganz weit vor mir auf der Strasse sah ich Lichter. Da stehen ein paar Autos, dachte ich so bei mir. Tralala…Der Fahrer des Winterräumfahrzeugs muss allerdings gedacht haben: Was für eine Bekloppte, sieht die nicht, dass ich direkt auf sie zufahre? Na, mir ist schon noch rechtzeitig aufgefallen, dass die Lichter auf mich zukamen, aber… meine Güte! Im Winter mutiere ich echt zur Gefahr für mich selbst und andere. Vor ein paar Jahren bin ich so vertieft in die Betrachtung von Schneesternen auf meinem Ärmel gewesen, dass ich nicht mal gemerkt habe, wie ich bei Rot auf die Strasse lief. Ich hab auch den Autofahrer erst brüllen gehört, als ich schon auf der anderen Seite war – der arme Mann entging vermutlich nur knapp einen Herzinfarkt.

So, das war es für heute. Morgen hab ich schon wieder frei. Aber dann heisst es durcharbeiten, bis die Schwarte kracht…

14. Januar

Alles Gute zum Geburtstag, Lieblingsmensch… 🙂
Ich hab den Montags-Blues. Das Wetter schlägt mir aufs Gemüt; es wird gar nicht richtig hell.
Aber: heute ist mein Panda wieder nach Hause gekommen! ENDLICH…

Die meiste Zeit des Tages habe ich mit Schlafen verbracht (ich hab morgen Frühdienst und kann nicht darauf vertrauen, dass ich nachts schlafen kann, wenn ich tagsüber nur brav wach bleibe). Den Rest mit Französisch lernen und damit, auf Panda zu warten (und ihm quengelige „Wann?“-Nachrichten zu schreiben).

Oh, ausserdem habe ich mir noch ein paar stussige „Unglaublich aber wahr“-Videos auf YouTube angeschaut.

Tja, mehr war heute nicht.

Ich bin ja mal auf morgen gespannt.
1.) ich hab Frühdienst und wir werden wirklich aussergewöhnlich gut besetzt sein, weil wir
2.) dieses komische Spiel spielen, das sich die Firma für die Mitarbeiter ausgedacht hat. Ich glaub ja, das ist einfach nur eine nett verpackte Befragung, um rauszufinden, was wir so denken. Und
3.) müssen wir uns ja für die Personal-Tafel fotografieren lassen. Dank gerade überstandener Augenentzündung seh ich ja gerade nicht eben wie das blühende Leben aus. Und ich hasse solche Foto-Termine. Lächeln Sie doch mal… Grrrrrr!

 

13. Januar.

Frei, Tag 2
Ja, zu tun hätte ich genug. Aber auch genug Ausreden… Zum Beispiel die beste von allen: Es ist Sonntag!!!
Vormittags: Ein bisschen Schreiberei, ansonsten habe ich hauptsächlich Augenpflege betrieben. Das „Matsch-Auge“ befindet sich auf dem Weg der Besserung (nicht mehr geschwollen, nicht mehr rot, kaum noch „matschig“), nimmt mir aber doch verständlicherweise den gestrigen Russisch-Sherlock-Marathon etwas übel. Bin ich selbst schuld, kann ich mich nicht drüber beklagen. Ich seh wieder menschlich aus, das ist die Hauptsache. Am 15. muss ich zum Fotografieren für die Bildertafel des Bereichs. Pflichttermin. Deshalb musste ich ja gestern auch noch mal raus und was zum Haare färben kaufen: bei mir kommt nämlich schon wieder mal „die Maus durch“. Nachdem ich neulich noch mal mit dem Messerkamm durch meinen Rotschopf gefahren bin, sieht es an manchen Stellen aus, als hätte ich die Räude oder so. Naja, jedenfalls für mich.
Mittags: der obligatorische Anruf bei Mama. Wir haben schon am Donnerstag telefoniert, deshalb gab es nicht viel Neues zu berichten. Also haben wir nur ein bisschen herumgealbert. Manchmal braucht es auch nicht mehr.
Jetzt sitze ich hier, schreibe dusseligen Kram, höre Patrick Bruel und bereite mich seelisch und moralisch auf den Nachmittag vor. Nein, viel wird heute nicht mehr (es ist Sonntag!!!). Aber das Bücherregal muss auf jeden Fall noch fertig werden, damit ich auch mal weiterkomme und nicht ständig über irgendwelche Bücherstapel stolpere…
Nachmittags: Ich habe es tatsächlich geschafft! Ich habe alle meine Bücher im Regal untergebracht – und das, obwohl ich gut ein Drittel meines Regals nun mit DVD’s vollgepackt habe. Okay, es ist jetzt wirklich vollgestopft und sieht bestenfalls „ordentlich unordentlich“ aus. Aber ich muss mich von keinem meiner Bücher trennen…
Auch das Haarefärben habe ich erledigt. Ich bin jetzt wieder sonnenuntergangsfeuerhydranten- pumucklrot. Keine Spur mehr von graubrauner Mausräude.

Abends: Französisch lernen.Französisch gelernt ! 🙂

12. Januar

Ich habe eine Augenentzündung. Toll!
Aber eigentlich war das zu erwarten: ich bin seit Tagen ein bisschen erkältet. Bei mir schlägt sich das immer auch auf die Augen. Ausserdem bin ich sehr lichtempfindlich. Allein schon deshalb habe ich mehrmals im Jahr entzündete Augen. Jetzt gab es zwar während der letzten Tage nicht wirklich viel Sonne  – aber dafür jede Menge Schnee. Ich hab mir ja auch schon an Nebeltagen die Augen „verblitzt“…
Dass ich heute vormittag noch einkaufen war (ich brauchte etwas zum Haare färben), hat mir (oder meinem Auge) den Rest gegeben.
So sehr es mich nervt, ich bin doch froh, dass ich jetzt frei habe. Mit dem „Matschauge“ hätte ich heute nicht arbeiten gehen können. Und irgendwie ist es doch noch etwas früh im Jahr für eine Krankmeldung.
Man soll ja keine Kontaktlinsen tragen, wenn man entzündete Augen hat. Das Problem ist nur: ohne Kontaktlinse ist es kaum auszuhalten, weil das Lid ständig darüber reibt. Wegen der erhöhten Lichtempfindlichkeit und auf Grund dessen, was man „Fremdkörper-Gefühl“ nennt, zwinkere ich ja auch ständig, was das Ganze nur noch schlimmer macht. Also hab ich irgendwann am Nachmittag dann doch wieder Kontaktlinsen benutzt. Für genau diesen Fall habe ich Tageslinse, also solche, die man nur einmal benutzt. Jetzt tränt das Auge nicht mehr, ist auch nicht mehr so rot, und auch die Schwellung (durch die es meist viel schlimmer aussieht als es ist) geht schon wieder zurück.
Man soll auch seine Augen schonen, was ich leider (unvernünftigerweise) selten tu. Eigentlich nur dann, wenn ich wirklich nichts mehr sehen kann. Ist heute nicht der Fall. Glücklicherweise.

Und so habe ich mir ein paar „Holmes und Watson“-Filme angesehen. Und zwar russische Filme in der Originalfassung mit englischen Untertiteln. Die waren richtig gut: Sherlock Holmes war so, wie man ihn sich vorstellt und Dr. Watson…  Nun, Dr. Watson war wirklich toll!
Bei den (alten bzw. älteren ) Filmen und Serien hat mich immer gestört, dass Dr. Watson oft als irgendwie „leicht trottelig“ dargestellt wurde. Das hat sich inzwischen geändert, worüber ich wirklich froh bin.
Ich hab die Geschichten vor nicht allzu langer Zeit wieder mal gelesen und auch das Hörbuch erst vor kurzem gehört. Die russischen Filme sind sehr nah dran an der literarischen Vorlage und haben mir wirklich gut gefallen.
Es war auch irgendwie cool, mal wieder die russische Sprache zu hören – allerdings auch ein bisschen seltsam, weil ich mich ja gerade mit Französisch beschäftige. Ich dachte schon, dass das vielleicht keine so gute Idee war, aber wie sich herausstellte, hatte ich später beim Lernen keine Probleme.

Jetzt hoffe ich, dass es meinem „Matschauge“ morgen wieder einigermaßen gut geht. Matschauge und kein Panda = schlechte Laune.

11. Januar

Ein paar meiner Kollegen mag ich nicht besonders. Es sind nicht viele, vielleicht drei oder vier, aber ein Tag, an dem ich ausschliesslich mit jemandem von ihnen im Dienstplan stehe, kann mich schon ziemlich schaffen.
Dass ich diese Kollegen nicht mag, liegt weniger an ihnen – wir alle sind, wie wir halt sind, mit unseren Stärken und Schwächen und unseren Macken und Eigenheiten. Okay, ich habe eine Kollegin, die ich nicht mag, weil sie sich vor Jahren mir gegenüber sozusagen „unverzeihlich“ verhalten hat. Oder vielmehr „unvergesslich“, denn manches verzeiht man, vergisst es jedoch nicht. Sie ist kein schlechter Mensch und  eine wirklich gute Fachkraft; eine der besten, die ich kenne. Und wir kommen auch gut miteinander aus. Aber ich bin nachtragend.
Ansonsten, wie gesagt, können die Kollegen, die ich nicht so gerne mag, nichts dafür. Ich lasse sie es nach Möglichkeit auch nicht spüren. Ich bin freundlich, ich bin höflich. Und wenn einer dieser Kollegen zu mir kommt, weil er Hilfe braucht oder ein Problem hat, dann versuche ich auch, ihm zu helfen.

Der Dienst heute war okay. Ich war heute nicht Schichtleitung. Das kommt hin und wieder mal vor und ist eigentlich echt schön: ich muss mich nicht um den Bürokram kümmern, bin nur in Ausnahmefällen für Visiten zuständig. Ansonsten bin ich in „in der Pflege“ und verbringe die Zeit tatsächlich mal mit den Bewohnern. Das einzige Problem ist: da ich wirklich nur sehr selten NICHT die Schichtleitung bin, kenne ich mich zwar theoretisch mit den Abläufen des Dienstes ausserhalb des Büros aus, tu mich praktisch damit aber etwas schwer. Wenn man etwas nicht regelmässig macht, fehlt einem halt die Routine. Die Chefetage hört das Wort „Routine“ zwar nicht gern, doch Fakt ist: sie ist notwendig. Die Pflegehelfer, die all das, was ich heute mal ausnahmsweise gemacht haben, jeden Tag machen müssen, tun vieles ganz automatisch, weil es zu einer bestimmten Zeit eben gemacht wird. Wenn sie mit mir „draussen“ arbeiten müssen (draussen = der Wohnbereich mit der ganzen Pflege und Alltagsroutine, drinnen = Büro/Dienstzimmer), dann kostet sie das eine Menge Zeit, weil ich nicht so schnell wie sie bin, weil ich manche Dinge nicht sehe oder dann mache, wann man sie eben normalerweise macht. Niemand beschwert sich, denn letztlich mache ich meine Arbeit, aber mir tut das trotzdem immer leid.

Meine Laune war nicht besonders gut: mir fehlt mein Panda! So sehr ich ihm die gemeinsame Zeit mit seiner Familie gönne, ohne ihn ist es einfach doof. Ausserdem brüte ich schon wieder eine Erkältung aus. Es wandert gerade so eine „Super-Bazille“ durchs Haus: die Hälfte der Wohnbereiche sind wegen Brech-Durchfall gesperrt, die andere Hälfte – darunter auch wir – wird von Husten und Schnupfen geplagt. Inzwischen geht es schneller, den Ärzten die Bewohner zu nennen, die nicht husten und niesen. Tja, auf so einem Wohnbereich ist es mit einer ansteckenden Krankheit nun einmal wie im Kindergarten mit Windpocken: hat sie einer, kriegen sie auch alle anderen. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann glaube ich, dass es das Personal war, das die Erkältung überhaupt erst auf dem Bereich verschleppt hat. Ein paar von uns hatten sie nämlich schon, bevor das Massenschniefen und -husten hier ausbrach – die übrigen kriegen sie gerade.

Zum Wetter: Wann hatten wir zuletzt SO VIEL Schnee? Es soll zwar in den nächsten Tagen schon wieder tauen (das wird lustig: viel Schnee = viel Matsch), aber im Moment ist es echt unglaublich! Und es ist wahnsinnig glatt auf den Wegen und Strassen. Die Autos (und Busse – och, ich dachte schon, ich komme nie mehr zu Hause an, nicht zuletzt, weil der Busfahrer anscheinend auch gar nicht zu wissen schien, wohin er fahren muss) fahren im Schritttempo und viele Leute watscheln tatsächlich wie die Pinguine durch die Gegend.

So. Und jetzt habe ich drei Tage frei. Und danach ist Panda wieder da….

10. Januar

Schnee, Schnee. Schnee.
Heute morgen um halb sechs hat der Hausmeister die Wege geräumt. Als ich so gegen elf aus dem Fenster schaute, war davon nichts mehr zu sehen…

Seit wir die liebste Chefin von allen haben, gehe ich wirklich gerne zur Arbeit. Es liegt natürlich nicht nur an der Chefin. Aber seit wir sie haben, sind wir ein tolles Team. Das wird nicht immer so bleiben, aber ach, wenn ich eins gelernt habe in meinem Leben: geniess das, was du hast, so lange es geht. Das musste ich jetzt einfach mal loswerden.
Heute gab es eine super lustige Übergabe. Und dabei war sie nur kurz, weil die meisten Kollegen dann zur Fortbildung mussten. Die Übriggebliebenen vom Frühdienst bereiteten noch alles für den Nachmittagskaffee vor – und plötzlich stand ich mit der liebsten Chefin von allen alleine da. Und wie es so ist, sobald niemand da ist, wollen plötzlich alle etwas. So schnell ist noch nie Kaffee ausgeteilt worden! Als meine Spätdiensteler endlich von der Fortbildung kamen, war es schon 15.30 Uhr.
Ich mag die Donnerstage nicht so gern. Wir kriegen mittwochs die Medikamentenblister für die ganze Woche geliefert und müssen die donnerstags kontrollieren. Und ich hasse, hasse, HASSE die Blisterkontrolle! Zuerst muss man schauen, ob die Blister vollständig sind. Dann muss man sie nach Bereichen ordnen. Und dann muss man natürlich jeden Blister einzeln überprüfen. Stehen alle Tablette auf dem Label – und sind auch alle Tabletten wirklich drin? Bei uns ändert sich bei den Medikamenten ziemlich oft etwas, deshalb sind manche Medikamentenblätter nur schwer lesbar, auch weil manche Ärzte darin herumkritzeln, dass man glatt dran verzweifeln könnte. Und wenn man Pech hat, klingelt dauernd das Telefon und irgendwelche Ärzte stehen auf der Matte, oder Angehörige haben Fragen oder…
Aber heute hatte ich Glück und auch die  verhasste doofe ungeliebte nun mal notwendige Blisterkontrolle war nach knapp anderthalb Stunden Geschichte.
Am Abend bei der Pflege habe ich mit einer meiner Bewohnerinnen ein bisschen Französisch „geübt“. 75 Prozent unserer Leute haben Demenz in irgendeiner Form, mehr oder minder ausgeprägt. Ein nicht unbeträchtlicher Teil hat aber auch noch eine psychische Krankheit wie Psychosen oder paranoide Schizophrenie. Diese alte Dame hat – unter anderem – eine „nicht näher beschriebene Psychose mit aggressivem Verhalten“. Ohne dass sie es selbst will, versucht sie einem manchmal die Finger zu brechen oder schlägt auch schon mal zu. Letzteres tut sie allerdings nicht unbewusst. Bei mir hat sie schon ein paar Mal ausgeholt, aber noch nie zugeschlagen, weil ich ihr gesagt habe, egal ob das verboten ist oder nicht, wenn sie mich schlägt, dann hau ich zurück. Sie solle sich das überlegen, schliesslich sei ich grösser und stärker als sie. Sie kuckte mich damals mit grossen Augen an und antwortete: „Okay, in Ordnung.“ Und damit war das Thema erledigt und zwischen uns alles klar.
Ich liebe diese alte Dame, wirklich, das tue ich. Trotz ihres auffälligen Verhaltens und ihres Geschreis kommen wir toll miteinander aus und haben viel Spass. Wir singen, weil sie eine total schöne Stimme hat und Musik gerne mag. Und ich erzähle ihr Witze und Geschichten. Sie kommt ursprünglich aus Ungarn, ist aber lange genug hier, um wirklich Sinn für Wortwitz zu haben – und sie lacht so toll.
Na, jedenfalls haben wir beim Zubettgehen geschaut, was sie denn an französischen Worten kennt. Zuerst sagte sie natürlich, sie wüsste keine. Aber als ich fragte, ob sie wirklich nicht wüsste, was „Ich liebe dich“ auf französisch heisst, da sagte sie sofort „je t’aime“. Und natürlich wusste sie auch, wie man guten Tag, Aufwiedersehen und danke sagt. Nach einer Weile beteiligte sich auch die Zimmernachbarin am Gespräch – die war früher Lehrerin und kann ein bisschen Französisch. Das war echt schön.
Heute war’s ein bisschen doof, als ich nach Hause kam. Kein Panda. Ich meine, ich wusste, dass er nicht da ist, aber ich habe trotzdem  nach seinem Fenster geschaut: kein Licht. Seufz. Wir sind nicht gerne getrennt, ihm geht es da wie mir. Ich meine, wir haben oft unterschiedliche Dienstzeiten und sehen uns manchmal nur kurz am Tag, aber wir wissen eben doch, dass der andere da ist…

Naja, es sind ja nur noch vier Tage…

9. Januar 2019

Hurra, ich habe frei!!!
Zwar nur einen Tag, aber darüber beklagen werde ich mich ganz sicher nicht. Vom nächsten langen Wochenende trennen mich nur noch zwei Arbeitstage…
So, meine DVD’s haben sich nun im Bücherregal breitgemacht. Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als bei den Büchern „auszumisten“, denn die kriege ich nun nicht mehr alle unter. Ach, das wird schwer! Ich meine, ich habe das ja schon ein paar mal versucht. Aber dann denke ich halt immer daran, dass ich mir jedes Buch irgendwann mal gekauft habe, weil ich es unbedingt haben wollte. Wie kann ich es nun plötzlich loswerden wollen?
Ich habe wirklich viele Bücher, und die stammen alle aus der Zeit vor dem eBook. Ich meine, aus der Zeit, bevor ich das eBook für mich entdeckt habe. Besäße ich alle Bücher, die ich seit  Kindle & Co gelesen habe, dann könnte ich mein Zimmer nicht mehr betreten: Buchlawinen-Gefahr.
Apropos Lawinengefahr…
Ein Blick aus dem Fenster: es schneit. Nicht stark, aber… es schneit. Für heute und morgen sagt der Wetterfrosch leichten Schneefall voraus, danach wirds für Schnee erst zu kalt – und dann schon wieder zu warm. Gefütterte Gummistiefel wären vermutlich ideal für dieses Wetter. Hab ich aber nicht, werde ich mir für diesen Winter auch nicht mehr zulegen…
Panda hat heute noch mal Spätdienst, dann wird er mich für fünf Tage mir selbst überlassen und schon wieder nach Hause fahren. An meinem langen freien Wochenende habe ich also sturmfreie Bude. Wäre eigentlich ideal, um endlich mit dem Aufräumen fertig zu werden…

Alors regarde

Le sommeil veut pas d‘ moi, tu rêves depuis longtemps.
Sur la télé la neige a envahi l’écran.
J’ai vu des hommes qui courent, une terre qui recule,

Des appels au secours, des enfants qu’on bouscule.

Tu dis qu‘ c’est pas mon rôle de parler de tout ça,
Qu’avant d‘ prendre la parole il faut aller là -bas.
Tu dis qu‘ c’est trop facile, tu dis qu‘ ça sert à rien,
Mais c’t encore plus facile de ne parler de rien.

Alors regarde, regarde un peu…
Je vais pas me taire parce que t’as mal aux yeux.
Alors regarde, regarde un peu…
Tu verras tout c‘ qu’on peut faire si on est deux.

Perdue dans tes nuances, la conscience au repos,

Pendant qu‘ le monde avance, tu trouves pas bien tes mots.
T‘ hésites entre tout m’dire et un drôle de silence.
T’as du mal à partir, alors tu joues l’innocence.

Alors regarde, regarde un peu…
Je vais pas me taire parce que t’as mal aux yeux.
Alors regarde, regarde un peu…
Tu verras tout c‘ qu’on peut faire si on est deux.

Dans ma tête une musique vient plaquer ses images
Sur des rythmes d’Afrique mais j‘ vois pas l‘ paysage
Toujours ces hommes qui courent, cette terre qui recule

Ces appels au secours de ces enfants qu’on bouscule

Alors regarde, regarde un peu…
Je vais pas me taire parce que t’as mal aux yeux.
Alors regarde, regarde un peu…
Tu verras tout c‘ qu’on peut faire si on est deux.

Alors regarde, regarde un peu…
Je vais pas me taire parce que t’as mal aux yeux.
Alors regarde, regarde un peu…
Tu verras tout c‘ qu’on peut faire si on est deux.


Sieh mal

Ich finde keinen Schlaf, du träumst schon lang
Im Fernseher hat Schnee die Mattscheibe bedeckt
Ich habe Männer gesehen, die laufen, Eine Erde, die zurückweicht
Hilferufe, Kinder, die herausgestoßen werden.

Du sagst, es sei nicht meine Rolle, von alledem zu sprechen
Eh‘ man das Wort ergreift, soll man in die Tiefe gehen
Du sagst, es sei zu leicht, du sagst, das führt zu nichts
Aber es ist dir immer noch leichter von nichts zu reden.

Sieh mal, sieh mal ein bißchen
Ich werde nicht schweigen, weil du nicht richtig guckst
Sieh mal, sieh mal ein bißchen
Du wirst sehen, was man alles tun kann,
Wenn man zu zweit ist.

Verloren in deinen Feinheiten, mit ruhendem Gewissen
Während die Welt voranschreitet, findest du kaum Worte
Du zögerst zwischen Alles sagen und
Einem merkwürdigen Schweigen
Du findest den Anfang nicht, also spielst du die Unschuld.

Sieh mal, sieh mal ein bißchen
Ich werde nicht schweigen, weil du nicht richtig guckst
Sieh mal, sieh mal ein bißchen
Du wirst sehen, was man alles tun kann,
Wenn man zu zweit ist.

(Gesprochen)
Eine Musik in meinem Kopf läßt ihre Bilder auftauchen
Zu afrikanischen Rhythmen,
Aber die Landschaft seh‘ ich nicht
Noch Männer, die laufen, eine Erde die zurückweicht
Hilferufe, Kinder, die herausgestoßen werden.

Sieh mal, sieh mal ein bißchen
Ich werde nicht schweigen, weil du nicht richtig guckst
Sieh mal, sieh mal ein bißchen
Du wirst sehen, was man alles tun kann,
Wenn man zu zweit ist.
Sieh mal, sieh mal ein bißchen….

8. Januar 2019

Der Tag war ganz okay.
Was für ein Wetter! Nachdem es zuvor soviel geschneit hatte, haben wir jetzt Tauwetter mit Schneeregen und echt fiesem Wind. Da bei uns im Wohngebiet zwar die Hauptwege geräumt wurden, nicht aber die Wege dazwischen, mussten wir gestern und heute streckenweise durch gut 20 Zentimenter hohen Matsch stapfen. Da kann man auf Sport getrost verzichten. Mir tun Muskeln weh, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe.
Ich hänge ein bisschen durch; die fünf Nächte über den Jahreswechsel mit zu kurzem Frei danach und anschliessendem Frühdienst – Wochenende stecken mir irgendwie noch in den Knochen. Naja, und dann stehe ich zur Zeit auch viel zu früh auf, um am Ende des Tages noch fit zu sein. Ist eigentlich für mich ungewöhnlich, aber was soll ich machen…
Die Zeiten, in denen ich tatsächlich nur vier Stunden Schlaf brauchte, um gut durch den Tag zu kommen, sind lange vorbei. Tja, ich werde auch nicht jünger. Traurig aber wahr: ich brauche inzwischen deutlich mehr Schlaf.
Erfahrungsgemäss läuft für mich der Tag am besten, wenn ich zuvor fünf bis sieben Stunden geschlafen habe, zwischen drei Uhr und zehn Uhr. Dann stimmt wirklich alles, dann komme ich gut durch den Tag. Überstunden für irgendwelchen Schreibkram sind dann auch kein Problem. Aber im Moment kriege ich das irgendwie nicht hin. Abends bin ich so müde!!!
Trotzdem habe ich den Tag gut überstanden. Hab auch alles erledigt, was zu erledigen war. Glaube ich jedenfalls. Tja, wenn ich anfange, über so etwas nachzudenken, bin ich mir immer nicht mehr so sicher: war da nicht doch noch irgendwas?
Der Kollege, den ich nicht so mag, hat sich nicht beklagt, weil er heute anders als gestern arbeiten musste. Zumindest nicht bei mir.
Ich bin ja gespannt, wie er zurechtkommt, wenn er offiziell als Fachkraft arbeitet. Kann sein, er kommt gut zurecht, was ich ihm natürlich wünsche. Kann aber auch sein, dass nicht. Das wäre nicht so toll, denn wenn eine Fachkraft Mist baut, bleibt das immer auch an allen anderen hängen. Und die Fehler, die man als Fachkraft machen kann, sind nun mal andere als die, die einem Pflegehelfer unterlaufen können. Die Kollegen, die bei uns erst mal als Pflegehelfer anfangen, weil sie hier erst ihre Anerkennung machen müssen, haben anschliessend oft Probleme. Manche kriegen regelrecht Panik, andere sind schlicht überfordert. Vor allem, wenn sie bis zur Anerkennung wirklich lange nur als Pflegehelfer gelaufen sind. Und regelmässig bekomme ich dann solche Sätze zu hören wie: „Ich fand ja immer, dass du übertreibst.“ oder „Jetzt verstehe ich, warum du oft gesagt hast, du hast ein schlechtes Gewissen gegenüber den Helfern.“ Als Fachkraft musst du nämlich eine Menge Knochenarbeit „nach unten“ abgeben, wodurch bei manchen Pflegehelfern der Eindruck entsteht, dass sich die Fachkräfte auf ihre Kosten einen netten Tag im Büro machen. Ich würde oft viel lieber einfach in der Pflege arbeiten, denn oft genug verbringe ich fünf bis sechs Stunden meines Arbeitstages mit Visiten, Schreibkram und Telefonaten und bekomme kaum alle Bewohner einmal zu sehen.
Aber ach, ich hab mir das ja so ausgesucht.

7. Januar 2019

Habe heute mit Aufräumen angefangen.
Mich nervt es selbst, dass ich nicht Ordnung halten kann. Kann ich aber wirklich nicht. Bei mir muss immer erst richtig das Chaos herrschen, bevor ich mich aufraffen kann. Dann allerdings mach ich es richtig.
Heute morgen habe ich begonnen, meine DVD’s zu sortieren. Da gab es einen Riesenstapel hüllenlose Scheiben, weil ich mich nie damit aufhalte, die DVD’s gleich wieder wegzuräumen. Inzwischen habe ich noch ein paar Hüllen ohne DVD’s – und auch noch ein paar DVD’s ohne Hüllen, nur passen die eben nicht zusammen… sehr merkwürdig. Aber das Fehlende findet sich schon noch an. Das tut es immer.
Als nächstes kommt das Bücherregal an die Reihe. Ich habe so viele Bücher, und eigentlich könnte ein guter Teil davon weg. Zum Verkaufen oder Verschenken taugen die nichts, weil ich sie selbst schon aus zweiter (oder sogar dritter Hand) habe und viele schon recht mitgenommen aussehen. Mit dem Wegwerfen tu ich mich aber schwer – das macht man einfach nicht. Vielleicht kann ich ein paar mit in die Arbeit nehmen.

Auf Arbeit war es heute eigentlich ganz okay. Viel zu tun, wenig Zeit und der ganz normale Wahnsinn auf dem Bereich. Der alte Herr ist vom Röntgen zurück, sie haben nichts gefunden. Also hat er wohl nur eine Prellung. Er läuft zwar immer noch wie ein Krebs, hat aber keine Schmerzen mehr.
Mit dem einen Kollegen arbeite ich nicht so gern, weil der wirklich nur seine Arbeit macht und anderen nicht hilft, wenn er fertig ist. Na, der wird sich umschauen, wenn er erst als Fachkraft hier arbeiten muss und auf die Hilfe der anderen angewiesen ist. Heute habe ich ihm einen leichten Bereich gegeben, morgen muss er den schweren machen. Als Schichtleitung muss ich die Touren ja immer planen, und meist teilen wir die Arbeit nach einem Punktsystem ein. Da ich als Fachkraft noch andere Arbeiten habe, kann ich mir eigentlich immer weniger Punkte geben. An Tagen, an denen wir keine Visiten und nicht irgendwelche zusätzlichen Dinge zu erledigen haben, so wie heute, mache ich das manchmal nicht. Ist meiner Meinung nach nicht fair. Ich hatte heute keine Lust auf Extra-Schreibkram, durch diesen Wechsel vom Nachtdienst in den Frühdienst und nun wieder in den Spätdienst hing ich ein bisschen durch. Da war es okay, richtig in der Pflege zu rackern. Morgen allerdings steht eine Menge an: Visiten, Wundversorgung mit der Wundmanagerin, jede Menge Dokumentation. Da kann ich die Touren nicht gleich auf uns drei verteilen. Der andere Kollegen ist superfleissig und sehr hilfsbereit, da muss ich immer aufpassen, dass er es nicht übertreibt. Sobald ich aus dem Büro komme, um mal ein bisschen Pflege zu machen, kommt dieser Kollege angeschossen: „Lass mich mal machen…“

Übermorgen habe ich einen Tag frei…