8. Januar 2019

Der Tag war ganz okay.
Was für ein Wetter! Nachdem es zuvor soviel geschneit hatte, haben wir jetzt Tauwetter mit Schneeregen und echt fiesem Wind. Da bei uns im Wohngebiet zwar die Hauptwege geräumt wurden, nicht aber die Wege dazwischen, mussten wir gestern und heute streckenweise durch gut 20 Zentimenter hohen Matsch stapfen. Da kann man auf Sport getrost verzichten. Mir tun Muskeln weh, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe.
Ich hänge ein bisschen durch; die fünf Nächte über den Jahreswechsel mit zu kurzem Frei danach und anschliessendem Frühdienst – Wochenende stecken mir irgendwie noch in den Knochen. Naja, und dann stehe ich zur Zeit auch viel zu früh auf, um am Ende des Tages noch fit zu sein. Ist eigentlich für mich ungewöhnlich, aber was soll ich machen…
Die Zeiten, in denen ich tatsächlich nur vier Stunden Schlaf brauchte, um gut durch den Tag zu kommen, sind lange vorbei. Tja, ich werde auch nicht jünger. Traurig aber wahr: ich brauche inzwischen deutlich mehr Schlaf.
Erfahrungsgemäss läuft für mich der Tag am besten, wenn ich zuvor fünf bis sieben Stunden geschlafen habe, zwischen drei Uhr und zehn Uhr. Dann stimmt wirklich alles, dann komme ich gut durch den Tag. Überstunden für irgendwelchen Schreibkram sind dann auch kein Problem. Aber im Moment kriege ich das irgendwie nicht hin. Abends bin ich so müde!!!
Trotzdem habe ich den Tag gut überstanden. Hab auch alles erledigt, was zu erledigen war. Glaube ich jedenfalls. Tja, wenn ich anfange, über so etwas nachzudenken, bin ich mir immer nicht mehr so sicher: war da nicht doch noch irgendwas?
Der Kollege, den ich nicht so mag, hat sich nicht beklagt, weil er heute anders als gestern arbeiten musste. Zumindest nicht bei mir.
Ich bin ja gespannt, wie er zurechtkommt, wenn er offiziell als Fachkraft arbeitet. Kann sein, er kommt gut zurecht, was ich ihm natürlich wünsche. Kann aber auch sein, dass nicht. Das wäre nicht so toll, denn wenn eine Fachkraft Mist baut, bleibt das immer auch an allen anderen hängen. Und die Fehler, die man als Fachkraft machen kann, sind nun mal andere als die, die einem Pflegehelfer unterlaufen können. Die Kollegen, die bei uns erst mal als Pflegehelfer anfangen, weil sie hier erst ihre Anerkennung machen müssen, haben anschliessend oft Probleme. Manche kriegen regelrecht Panik, andere sind schlicht überfordert. Vor allem, wenn sie bis zur Anerkennung wirklich lange nur als Pflegehelfer gelaufen sind. Und regelmässig bekomme ich dann solche Sätze zu hören wie: „Ich fand ja immer, dass du übertreibst.“ oder „Jetzt verstehe ich, warum du oft gesagt hast, du hast ein schlechtes Gewissen gegenüber den Helfern.“ Als Fachkraft musst du nämlich eine Menge Knochenarbeit „nach unten“ abgeben, wodurch bei manchen Pflegehelfern der Eindruck entsteht, dass sich die Fachkräfte auf ihre Kosten einen netten Tag im Büro machen. Ich würde oft viel lieber einfach in der Pflege arbeiten, denn oft genug verbringe ich fünf bis sechs Stunden meines Arbeitstages mit Visiten, Schreibkram und Telefonaten und bekomme kaum alle Bewohner einmal zu sehen.
Aber ach, ich hab mir das ja so ausgesucht.