11. Januar

Ein paar meiner Kollegen mag ich nicht besonders. Es sind nicht viele, vielleicht drei oder vier, aber ein Tag, an dem ich ausschliesslich mit jemandem von ihnen im Dienstplan stehe, kann mich schon ziemlich schaffen.
Dass ich diese Kollegen nicht mag, liegt weniger an ihnen – wir alle sind, wie wir halt sind, mit unseren Stärken und Schwächen und unseren Macken und Eigenheiten. Okay, ich habe eine Kollegin, die ich nicht mag, weil sie sich vor Jahren mir gegenüber sozusagen „unverzeihlich“ verhalten hat. Oder vielmehr „unvergesslich“, denn manches verzeiht man, vergisst es jedoch nicht. Sie ist kein schlechter Mensch und  eine wirklich gute Fachkraft; eine der besten, die ich kenne. Und wir kommen auch gut miteinander aus. Aber ich bin nachtragend.
Ansonsten, wie gesagt, können die Kollegen, die ich nicht so gerne mag, nichts dafür. Ich lasse sie es nach Möglichkeit auch nicht spüren. Ich bin freundlich, ich bin höflich. Und wenn einer dieser Kollegen zu mir kommt, weil er Hilfe braucht oder ein Problem hat, dann versuche ich auch, ihm zu helfen.

Der Dienst heute war okay. Ich war heute nicht Schichtleitung. Das kommt hin und wieder mal vor und ist eigentlich echt schön: ich muss mich nicht um den Bürokram kümmern, bin nur in Ausnahmefällen für Visiten zuständig. Ansonsten bin ich in „in der Pflege“ und verbringe die Zeit tatsächlich mal mit den Bewohnern. Das einzige Problem ist: da ich wirklich nur sehr selten NICHT die Schichtleitung bin, kenne ich mich zwar theoretisch mit den Abläufen des Dienstes ausserhalb des Büros aus, tu mich praktisch damit aber etwas schwer. Wenn man etwas nicht regelmässig macht, fehlt einem halt die Routine. Die Chefetage hört das Wort „Routine“ zwar nicht gern, doch Fakt ist: sie ist notwendig. Die Pflegehelfer, die all das, was ich heute mal ausnahmsweise gemacht haben, jeden Tag machen müssen, tun vieles ganz automatisch, weil es zu einer bestimmten Zeit eben gemacht wird. Wenn sie mit mir „draussen“ arbeiten müssen (draussen = der Wohnbereich mit der ganzen Pflege und Alltagsroutine, drinnen = Büro/Dienstzimmer), dann kostet sie das eine Menge Zeit, weil ich nicht so schnell wie sie bin, weil ich manche Dinge nicht sehe oder dann mache, wann man sie eben normalerweise macht. Niemand beschwert sich, denn letztlich mache ich meine Arbeit, aber mir tut das trotzdem immer leid.

Meine Laune war nicht besonders gut: mir fehlt mein Panda! So sehr ich ihm die gemeinsame Zeit mit seiner Familie gönne, ohne ihn ist es einfach doof. Ausserdem brüte ich schon wieder eine Erkältung aus. Es wandert gerade so eine „Super-Bazille“ durchs Haus: die Hälfte der Wohnbereiche sind wegen Brech-Durchfall gesperrt, die andere Hälfte – darunter auch wir – wird von Husten und Schnupfen geplagt. Inzwischen geht es schneller, den Ärzten die Bewohner zu nennen, die nicht husten und niesen. Tja, auf so einem Wohnbereich ist es mit einer ansteckenden Krankheit nun einmal wie im Kindergarten mit Windpocken: hat sie einer, kriegen sie auch alle anderen. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann glaube ich, dass es das Personal war, das die Erkältung überhaupt erst auf dem Bereich verschleppt hat. Ein paar von uns hatten sie nämlich schon, bevor das Massenschniefen und -husten hier ausbrach – die übrigen kriegen sie gerade.

Zum Wetter: Wann hatten wir zuletzt SO VIEL Schnee? Es soll zwar in den nächsten Tagen schon wieder tauen (das wird lustig: viel Schnee = viel Matsch), aber im Moment ist es echt unglaublich! Und es ist wahnsinnig glatt auf den Wegen und Strassen. Die Autos (und Busse – och, ich dachte schon, ich komme nie mehr zu Hause an, nicht zuletzt, weil der Busfahrer anscheinend auch gar nicht zu wissen schien, wohin er fahren muss) fahren im Schritttempo und viele Leute watscheln tatsächlich wie die Pinguine durch die Gegend.

So. Und jetzt habe ich drei Tage frei. Und danach ist Panda wieder da….