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Patrick Breul: Au Café des Délices

Les souvenirs se voilent
Ça fait comme une éclipse
Une nuit plein d’étoiles
Sur le port de Tunis
Le vent de l’éventail
De ton grand-père assis
Au Café des Délices

Tes souvenirs se voilent
Tu vois passer le tram
Et la blancheur des voiles
Des femmes tenant un fils
Et l’odeur du jasmin
Qu’il tenait dans ses mains
Au Café des Délices

Yalil Yalil habibi Yalil
Yalil Yalil habibi Yalil…

Tes souvenirs se voilent
Tu la revois la fille
Le baiser qui fait mal
A Port El Kantaoui
Les premiers mots d’amour
Sur des chansons velours

Tes souvenirs se voilent
Tu les aimais ces fruits
Les noyaux d’abricot
Pour toi, c’étaient des billes

Et les soirées de fête
Qu’on faisait dans nos têtes
Aux plages d’Hammamet

Yalil Yalil Apipi Yalil
Yalil Yalil Apipi Yalil…

Tes souvenirs se voilent
A l’avant du bateau
Et ce quai qui s’éloigne
Vers un monde nouveau
Une vie qui s’arrête
Pour un jour qui commence
C’est sans doute une chance

Yalil Yalil Tu n’oublieras pas
Ces parfums d’autrefois
Yalil Yalil Tu n’oublieras pas
Yalil Yalil Même si tu t’en vas
Yalil Yalil Apipi Yalil
Yalil Yalil Apipi Yalil…

Une nuit plein d’étoiles
Sur le port de Tunis
Et la blancheur des voiles
Des femmes tenant un fils
Le vent de l’éventail
De ton grand-père assis
Et l’odeur du jasmin
Qu’il tenait dans ses mains
Au Café des Délices


Deine Erinnerungen verschleiern sich
Das ist wie eine Finsternis
Eine Nacht voller Sterne
Im Hafen von Tunis
Der Wind des Fächers
Deines Grossvaters
Der im Café der Freude sitzt

Deine Erinnerungen verschleiern sich
Du siehst die Strassenbahn vorbeifahren
Und die Weisse der Schleier
Der Frauen die einen Sohn halten
Und der Geruch des Jasmins
Den er in seinen Händen hält
Im Café der Freude

Yalil yalil abibi yalil yalil yalil abibi yalil

Deine Erinnerungen verschleiern sich
Du siehst es wieder, das Mädchen
Der Kuss der schmerzt
Am Hafen El Kantaoui
Die ersten Worte der Liebe
Zu Liedern aus Samt
Abibi Abibi

Deine Erinnerungen verschleiern sich
Du mochtest sie, diese Früchte
Die Kerne der Aprikose
Für Dich waren sie Murmel
Und die Festabende
Die wir in unseren Köpfen veranstalteten
An den Stränden von Hammamet

Yalil yalil abibi yalil yalil yalil abibi yalil

Deine Erinnerungen verschleiern sich
Am Vorderteil des Schiffes
Und dieser Kai der sich entfernt
In Richtung einer neuen Welt
Ein Leben das stehenbleibt
Für einen Tag der beginnt
Das ist vielleicht eine Chance

Yalil yalil Du wirst nicht vergessen
Yalil yalil diese Gerüche von damals
Yalil yalil Du wirst nicht vergessen
Yalil yalil auch wenn Du gehst

Eine Nacht voller Sterne
Am Hafen von Tunis
Und die Weiße der Schleier
Der Frauen die einen Sohn halten
Der Wind des Fächers
Deines Großvaters der sitzt
Und der Geruch des Jasmins
Den er in seinen Händen hält
Im Café der Freude

6. Januar 2019

Nachdem ich gestern abend dann doch ziemlich erledigt war, hatte ich eine richtig gute Nacht mit sagenhaften sechs Stunden Schlaf. Und der Dienst heute war auch ganz okay, allerdings fühlten wir uns alle irgendwie ein bisschen schlapp. Das lag vielleicht am Wetter: nachdem es gestern wie verrückt geschneit hat, gab es heute Tauwetter mit massenhaft Matsch und Schneeregen.
Der alte Herr, den ich erst gestern kennengelernt habe, ist in der Nacht gestürzt. Der Bereitschaftsarzt fand keine Anzeichen für eine Verletzung und der alte Herr selbst gab auch keine Beschwerden an. Allerdings ging er heute nicht mehr vorwärts, sondern bewegte sich ganz komisch seitwärts. Ein bisschen wie ein Krebs. Irgendwann rückte er dann auch mit der Sprache heraus: wenn er versuchte, normal zu gehen, dann tat es weh. Also haben wir ihn nochmal zum Röntgen geschickt. Mal sehen, was dabei nun herauskommt. Ich hoffe, er hat sich nur eine Prellung zugezogen…
Jetzt habe ich in diesem Monat nur noch einen Frühdienst vor mir, weil wir im Haus so eine Art Fortbildung machen, bei der wir irgend so ein Spiel spielen müssen – Pflichtveranstaltung. Ansonsten nur noch Spätdienste und natürlich auch noch ein paar Tage frei, bevor ich den Monat mit Nachtdienst beende – und den nächsten damit beginne.
Heute ist ja Heilige Drei Könige – aber irgendwie sind wir nie nur drei Königen begegnet. Die traten immer im Rudel auf!  Dieses Jahr fand ich es schon extrem. Waren im letzten Jahr auch so viele Kinder unterwegs?
Ich hab mir ja vorgenommen, meine Zeit besser einzuteilen. Das muss ich jetzt bald mal in Angriff nehmen, immerhin ist das neue Jahr schon wieder eine Woche alt. Ich muss an die zehn bis elf Stunden für die Arbeit einplanen, allerdings inklusive Arbeitsweg (die Zeit kann ich ja für Musik oder Hörbücher nutzen), weil ich selten pünktlich rauskomme und daran leider nichts ändern kann. Und ich will eigentlich sieben Stunden Schlaf kriegen, damit ich auch wirklich fit bin für die restliche Zeit, mit der ich so viel vorhabe. Wahrscheinlich würden auch fünf Stunden reichen, aber dann hänge ich an den freien Tagen so durch, und das will ich eigentlich auch vermeiden. Ich muss mir wirklich überlegen, was ich wann mache, damit ich auch alles unterkriege. Wie machen das die Leute, die wirklich ein Leben haben??? Na, mal sehen…

5. Januar 2019

Meine Nacht endete heute kurz nach Mitternacht, aber da ich gestern genug geschlafen hatte, war ich ziemlich fit. Tatsächlich kann ich mich gar nicht erinnern, wann ich mich zuletzt während eines Frühdienstes so wach und gut gefühlt habe. Okay, ich bin nicht so schnell wie die anderen, die regelmässig Frühdienst und deshalb mehr Routine haben, was den Tagesablauf angeht, und mittags habe ich dann schon ein bisschen geschwächelt, aber insgesamt war dieser Frühdienst wirklich gut.
Wir haben einen neuen Bewohner. Der alte Herr soll nur zur Kurzzeitpflege bleiben; seine Familie hat vor, ihn in drei Wochen wieder nach Hause zu holen. Es ist immer ein bisschen schwierig, wenn man jemanden zum ersten Mal versorgt, weil man ja nicht weiss, was er so braucht und was er kann. Aber der alte Mann und ich kamen sofort gut miteinander aus. Es dauerte zwar ein bisschen, ihn zu pflegen, aber er war sehr charmant und umgänglich, und er gab sich wirklich Mühe, möglichst viel noch selbst zu machen. So macht die Arbeit wirklich Spass
Ich hoffe, der morgige Dienst läuft auch so gut.

Nach „Antigang“ gestern und „Die fabelhafte Welt der Amèlie heute morgen habe ich nun schon den dritten französischen Film gesehen: „Ein Sommer in der Provence“. Sehr süss. Und ach, Jean Reno geht halt wirklich immer.
Inzwischen klingt die Sprache gar nicht mehr so fremd. Ohne deutsche Untertitel geht es natürlich noch nicht, aber so nach und erkenne ich einzelne Worte und Sätze und kann sie auch zuordnen. Und ein bisschen klappt es auch schon mit dem Nachsprechen. Das ist ziemlich cool.

France Gall: Ella elle l’a

C’est comme une gaieté
Comme un sourire
Quelque chose dans la voix
Qui paraît nous dire „viens“
Qui nous fait sentir étrangement bien

C’est comme toute l’histoire
Du peuple noir
Qui se balance
Entre l’amour et l’désespoir
Quelque chose qui danse en toi
Si tu l’as, tu l’as

Ella, elle l’a
Ce je n’sais quoi
Que d’autres n’ont pas
Qui nous met dans un drôle d’état
Ella, elle l’a
Ella, elle l’a

Ou-ou ou-ou ou-ou ou
Elle a, ou-ou ou-ou ou-ou ou, cette drôle de voix

Elle a, ou-ou ou-ou ou-ou ou, cette drôle de joie
Ce don du ciel qui la rend belle

Ella, elle l’a
Ella, elle l’a
Elle a, ou-ou ou-ou ou-ou ou
Ella, elle l’a
Elle a, ou-ou ou-ou ou-ou ou

Elle a ce tout petit supplément d’âme
Cet indéfinissable charme
Cette petite flamme

Tape sur des tonneaux
Sur des pianos
Sur tout ce que dieu peut te mettre entre les mains

Montre ton rire ou ton chagrin
Mais que tu n’aies rien, que tu sois roi
Que tu cherches encore les pouvoirs qui dorment en toi
Tu vois ça ne s’achète pas
Quand tu l’as tu l’as

Ella, elle l’a
Ce je n’sais quoi
Que d’autres n’ont pas
Qui nous met dans un drôle d’état
Ella, elle l’a
Ella, elle l’a

4. Januar 2019

Panda und ich hätten heute eigentlich zusammen frei gehabt.
Mit Betonung auf „hätten“…
Vorhin hat seine Chefin angerufen, weil sie jemanden für den Spätdienst braucht. Sie hörte sich  richtig erschrocken an, als ich ans Telefon ging. Sie dachte, sie hätte mich geweckt. Aber es war Panda, der noch schlief.
So hat Panda nun also Spätdienst. Ich bin froh, dass er trotzdem am Wochenende Frühdienst macht. Zum einen, weil ich Frühdienst ja wirklich hasse. Dass wir beide arbeiten, hilft da wirklich: ich muss morgens nicht alleine raus. Das ist für mich nämlich immer am schlimmsten. Zum anderen haben wir tatsächlich für ganze vier Tage die gleichen Dienste geplant bekommen. Ich hoffe so sehr, dass sich das nicht noch ändert.

So, inzwischen hat auch mein Bereich angerufen. Allerdings nicht, um mich für heute in den Dienst zu bitten, sondern um zu fragen, ob ich morgen nicht lieber Spätdienst machen möchte. Normalerweise hätte ich sofort ja gesagt. Aber auch Panda freut sich auf die gemeinsamen Dienste

Auch diesen Tag habe ich weitgehend verschlafen. Das ist auch weiter nicht schlimm; man muss ja schon sehr diszipliniert sein, um nach fünf Nachtdiensten innerhalb eines Tages wieder in den normalen Tag-Nacht-Rhythmus zurück zu finden. Den meisten Leute, die das „können“, bleibt meist gar nichts weiter übrig, weil ihr Alltagsleben nicht eben mal in den Warte-Modus geht: da sind Kinder und Ehepartner, Haushalt und all die Verpflichtungen und Dinge, die eben erledigt werden müssen. Solche Leute beginnen auch die Tage schon früh um sieben, an denen sie Spätdienst haben und bis zehn Uhr abends arbeiten müssen – und sind dann todmüde.
Mir sagt man immer mal wieder, dass nicht gesund sei, was ich mache: tagsüber schlafen und nachts wach sein. Gerade von der Arbeit her kennen viele einen solchen Schlaf-Wach-Rhythmus nur als krankhafte Störung. So etwas kann aber eben auch ganz normal sein. Bei mir zum Beispiel; ich bin eine geborene Eule. Mich hat man als Kind tagsüber wach gehalten, um zu erreichen, dass ich nachts schlafe. Wirklich gut hat das aber nicht funktioniert. So richtig gut schlafe ich nämlich nur am Tag. Und ja, so richtig wach bin ich nur nachts.
Mein Problem ist allerdings, dass ich dazu neige, die Nachtstunden als „Extra-Zeit“ zu betrachten. Dabei hat mein Tag auch nur 24 Stunden, die ich mir einteilen muss wie jeder andere. Darin bin ich leider nicht besonders gut. Aber ich arbeite daran…

Noch irgendwas? Oh, ja… es hat anscheinend den Tag über viel geschneit. Der Blick aus dem Fenster zeigt ein nächtliches Winterwonderland…

Französisch… hören

Sprache lernt man – zuerst – vor allem durch Hören. Anfangs muss man eine fremde Sprache noch nicht einmal verstehen. Aber wenn man sie eine Zeitlang hört, gewöhnt man sich an ihren Klang, ihren Rhythmus. Nach und nach verliert sie ihr Fremdsein. Und man erkennt sie wieder, kann sie von anderen Sprachen unterscheiden.
Super zum Einhören in eine fremde Sprache und für erste Versuche, sie auch „in den Mund zu nehmen“: Lieder. Hören und Mitsingen – Ganz toll. Ganz egal wie schwierig einem eine Sprache auch vorkommt, mag ich ein Lied in eben dieser Sprache und höre es deshalb immer wieder, ist es nur eine Frage der Zeit, wann ich mitzusingen beginne. Manchmal kann man Leute im Auto dabei beobachten, wie sie aus vollem Hals ein Lied mitsingen. Denkst du, dass die alle immer wissen, was sie da vor sich hin trällern? Glaub mir, viele haben nicht die leiseste Ahnung. Die ahmen nur nach, was sie hören, auf Englisch, Spanisch, Italienisch, Französich, Japanisch, Urdu…

Also höre ich jetzt französische Musik.

Da ich mich mit französischsprachiger Musik nicht wirklich auskenne, musste ich mir erst welche suchen. Natürlich kenne ich französische Sängerinnen und Sänger. Zu sagen, dass man keine kennt, ist genausowenig zutreffend wie die Aussage, man könne „kein Wort Französisch“. Édith Piaf, France Gall, Charles Aznavour, Jaques Brel, Johnny Halliday, Serge Gainsbourg, Céline Dion, Patricia Kaas… mindestens eine Sängerin oder einen Sänger kennt man oder hat zumindest schon mal vonihr oder ihm gehört. Meine Mutter schwärmt bis heute von Gilbert Bécaud und fand Mireille Mathieu ganz toll. Ich kenne sogar noch jede Menge mehr Sängerinnen und Sänger; aus meiner Kindheit, durchs Radio oder auch durchs Fernsehen, durch andere Leute.
Aber dauernd hören möchte ich deren Musik nicht. Jedenfalls nicht zur Zeit.

Jetzt höre ich Patrick Bruel und Christophe Maé. Pierre Garand (Garou) finde ich auch ganz nett. Der ist zwar Kanadier, aber das passt schon. 🙂
Oh, und ich habe „Elle l’a Ella“ von France Gall wieder herausgekramt.

3. Januar 2019

Geschafft!
Nachdem ich mich gestern schon ausgiebig über den Kollegen ausgelassen habe, mit dem ich meine letzte Nacht verbringen musste, verzichte ich an dieser Stelle darauf. Ich sehe ihn jetzt für mindestens vier Wochen nicht.
Nur so viel: ich weiss jetzt, wie ein vollgekacktes Bett aussieht. Er hat mich tatsächlich geholt, damit ich mir das ansehe. Ich tat ihm den Gefallen. Was hätte ich auch anderes tun sollen?

Ich bin morgens eine halbe Stunde früher von Arbeit weg, weil ich noch Überstunden habe und mir solchen Luxus im Nachtdienst ja wirklich nur während der Fachaufsicht leisten kann. Im Tagdienst bin ich schon froh, wenn ich es schaffe, einigermaßen pünktlich zu gehen.

Ansonsten: oh, es hat geschneit! Nicht viel, aber doch genug. Riesengrosse Flocken, die aussahen wie im Märchen von Frau Holle.
Nachdem es bis gestern geregnet hatte, waren die Strassen heute früh wie Glas.
Weil es so glatt war, musste ich langsam gehen und hatte ich schon Angst, ich würde Panda verpassen. Aber als ich zuhause ankam, wollte er gerade erst los.

Jetzt gehe ich schlafen. Sehr viel mehr wird heute auch nicht passieren.

2. Januar 2019

Noch eine Nacht.
Gestern nacht war ich „Fachaufsicht“ im Haus und deshalb mit einem zweiten Kollegen im Dienst. Er machte das, was der Nachtdienst halt so zu machen hat und ich… ach, ich wünschte mich ganz weit weg. Ich mag diesen Kollegen nicht. Aber so gar nicht. Glücklicherweise arbeitet er nur zwei Nächte im Monat bei uns und ansonsten im Krankenhaus. Schlimm nur, dass diese zwei Nächte jetzt schon zum dritten Mal in meine Fachaufsicht fallen.
Dass ich den Kollegen nicht mag, dafür kann er nichts. Manche Menschen sind einem auf Anhieb unsympathisch, das ist halt so. Dass das im Grunde nicht fair ist, ändert daran nichts. Normalerweise finde ich bei solchen Menschen immer etwas, das ich dann doch irgendwie mag. Bei ihm ist das leider nicht so. Ich mag sein Aussehen nicht. Ich mag nicht, wie er spricht. Wie er lacht, mag ich auch nicht. Ich könnte mich allein schon über seine Art zu atmen aufregen. Ich sage mir immer, dass er ein guter Pfleger und im Grunde ein wirklich netter Mensch ist. Ich sage mir, dass es gemein ist, wenn wir uns über ihn lustig machen, über ihn lästern und uns gegenseitig im Spass bemitleiden, wenn wir der Spätdienst sind und er zum Nachtdienst kommt. Nur leider hilft das nicht.
Dieser Kollege kommt immer schon fast eine halbe Stunde früher zum Dienst, damit er alles schafft. Und das sagt er dann auch jedesmal. Er redet eigentlich ununterbrochen darüber. Jajaja, er kommt gern immer schon früher, damit er zeitig anfangen kann, weil er sonst Stress hätte, den er nicht mag. Denn es ist ja so viel zu tun. Man kommt kaum zurecht. Und dann erklärt er (ebenfalls jedesmal), was er alles machen muss. Blablabla. Der Mann betet tatsächlich den gesamten Ablauf des Nachtdienstes herunter, betont zwischendurch immer wieder, dass die Arbeit schwer sei und fast nicht zu schaffen. Dass wir im Gegensatz zu ihm nicht nur zwei Nächte im Monat, sondern Tag für Tag (und in deutlich mehr Nächten) hier arbeiten, ignoriert er dabei völlig.
Ihm bei dieser Litanei zuhören zu müssen, ist schon im Spätdienst schlimm. Aber da hat man dann doch bald Feierabend und kann einfach gehen. Wenn ich mit ihm Nachtdienst machen muss, kann ich das nicht.
Er arbeitet nicht mehr und auch nicht besser als wir anderen. Er ist einfach nur entsetzlich langsam. Er trödelt. Ich weiss das, denn ich habe ihn beobachtet.  Und zwischendurch kommt er ständig ins Büro, um mir zu erzählen, wieviele Leute Stuhlgang hatten, wieviele Betten er beziehen musste, was er bisher alles gemacht hat. Und jaaaa… es ist kaum zu schaffen, es ist nämlich verdammt viel Arbeit. Kannst du dir das vorstellen, Dona? Ich meine, er fragt mich tatsächlich, ob ich mir das vorstellen kann. Ob ich das glaube. Und er ist felsenfest davon überzeugt, dass ich das nicht kann. So hätte ich hier noch nie Nachtdienst gemacht. Inzwischen mache ich mir nicht mehr die Mühe, ihn darauf hinzuweisen, dass ich hier schon seit Jahren arbeite. Ich meine, das müsste er ja wissen, schliesslich gab es ihn schon, als ich hier anfing. Eigentlich ist ja erstaunlich, dass er in den Nächten, in denen er nicht allein auf dem Bereich ist, überhaupt fertig wird, weil er ja neben der ganzen Arbeit, die fast nicht zu schaffen ist, auch noch so viel über eben diese Arbeit reden muss.
Heute musste ich mir wirklich auf die Zunge beissen, um nicht unfreundlich zu werden. Ich meine, ich habe gerade drei Nächte hinter mir. Auf diesem Wohnbereich. Bei diesen Bewohnern. Und diese drei Nächte waren beschissen, und zwar durchaus im wörtlichen Sinne des Wortes. Keine Katastrophennächte, aber schmutzig.  Deshalb weiss ich, dass die heutige Nacht der reine Zucker war. Aber ich musste mir sein sich ständig wiederholendes Gesabbel darüber anhören, wieviel er zu hier arbeiten hat, wie unwahrscheinlich viel es zu tun gäbe und  „glaubst du das, Dona? Kannst du dir das überhaupt vorstellen? Also, was man hier an Arbeit hat… unwahrscheinlich, Dona. Das glaubst du gar nicht…“
Noch eine Nacht.

1. Januar 2019

Der erste Tag im neuen Jahr – ein Tag wie jeder andere.
Der einzige Unterschied zu sonst bestand eigentlich darin, dass alle Kolleginnen der Frühschicht so richtig müde waren, aber dennoch gut gelaunt.
Der Nachtdienst war auch nicht so anders. Naja, es war laut. Aber die meisten meiner alten Leute hören nicht besonders gut. Und irgendwie habe ich auch den Eindruck, dass das Feuerwerk inzwischen anders klingt als früher. Ich meine, ich habe schon in Silvesternächten gearbeitet, in denen die alten Leute regelrecht in Panik gerieten: „Die Russen kommen!“ Inzwischen passiert das kaum noch. Kann auch sein, dass es die alten Menschen sind, die sich verändert haben. Viele von ihnen haben ja gar nicht mehr so diese Erinnerungen an den Krieg, weil sie damals kleine Kinder waren. Sie erinnern sich viel mehr an die Zeit danach.
Jedenfalls wachten auf meinem Bereich kaum Bewohner von der Knallerei auf, und kurz nach Mitternacht war es sogar so ruhig, dass ich ein paar Minuten auf den Bereich im ersten Stock gehen konnte, um dort mit den Kolleginnen anzustossen. Alkoholfrei, versteht sich.
So etwas mache ich normalerweise nicht, aber der einen Kollegin schien das wichtig zu sein – und mir tat es ja nicht weh.
Ansonsten war wirklich alles wie immer. Ich schaffte es nicht ganz pünktlich aus dem Haus und verpasste meinen Bus, was bedeutete, dass Panda mal wieder warten musste. Aber Panda ist das gewöhnt. Es regnete, was nicht so toll war. Schlimm war’s aber auch nicht; das Wetter ist halt das Wetter. Schnee wäre allerdings schön gewesen, dann hätte man den ganzen Müll und Dreck nicht so gesehen. Am ersten Tag jeden neuen Jahres sieht es draussen einfach schlimm aus. Den ganzen Kram vom Feuerwerk anschliessend wegzuräumen, das wäre doch echt ein guter Neujahrs – Vorsatz. Aber sowas nimmt sich natürlich niemand vor.

Mehr lässt sich über den ersten Tag des neuen Jahres nicht sagen, denn da ich ja Nachtdienst hatte, habe ich ihn grösstenteils verschlafen. In den zwei oder drei Stunden, die mir zwischen Aufwachen und Losgehen (zur Arbeit) blieben, habe ich ein bisschen Musik gehört und im Internet nach französischen Filmen gesucht. So wirklich fündig bin ich noch nicht geworden, was hauptsächlich daran liegt, dass ich französische Filme nicht so mag. Warum das so ist, kann ich eigentlich nicht sagen. Es ist ja nicht so, dass ich diesbezüglich abschreckend schlechte Erfahrungen gemacht habe. Französische Filme sind einfach nicht so mein Ding. Ob sich das jetzt ändern wird? Ich meine, neuerdings höre ich ja auch französische Musik und finde manches so richtig gut.

Gute Vorsätze 2019

Nicht mehr rauchen
Weniger rauchen
Mehr schlafen
Weniger Stress
Mehr Sport
Gesünder ernähren
Zeit besser einteilen!!!
Happy Penguins !!!
Französisch lernen!!!
Nicht so viel grübeln!!!
Mehr Lieblingsmenschen!!!
So weitermachen wie bisher (läuft gerade richtig gut)!!!

So, fertig.
Neues Jahr kann kommen.

GUTEN RUTSCH!